LandesverbandbayerischerSchulpsychologinnen und Schulpsychologen e.V.

In der Diskussion

Jedes Kind kann rechnen lernen!

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Tatsächlich?
„Wenn Kinder mit Mathematik auf Kriegsfuß stehen, attestieren ihnen Experten häufig eine so genannte Rechenschwäche. Doch dieser Begriff lädt die Schuld zu Unrecht bei den Betroffenen selbst ab, meint … Lesen Sie hier den ganzen Artikel

Aktuelles

LBSP macht Risikocluster aus

Der LBSP für die Schüler*innen zehn Risikocluster identifiziert, die sich aus der Pandemie und den damit verbundenen Auswirkungen auf Schule und Gesellschaft ergeben:

  • Schüler*innen mit vorübergehendem Verlust von Kontaktgewohnheiten und Verhaltensskills. Der pandemiebedingte Entzug von sozialen Kontexten wirkt sich besonders im Bereich des sozialen Lernens aus, v.a. das Erlernen von sozialen Regeln im Kontext Schule (z.B. im Regelspiel) wird erheblich erschwert.
  • Schüler*innen, meist aus bildungsfernen Milieus. Sie sind trotz mannigfaltiger Bemühungen der Lehrkräfte quasi „verloren gegangen“.
  • Schüler*innen als Sorgenträger für Erwachsene. Sie übernehmen stellvertretend die Sorgen ihrer Eltern oder anderer erwachsener Bezugspersonen wie Ängste vor Ansteckung, vor beruflichen Einschränkungen, misslingender Schulkarriere oder generell Existenzängste.
  • Schüler*innen mit Risikopersonen im familiären Kontext. Charakteristisch ist das Phänomen des internen „selbst gegebenen“ oder familiären Auftrags, sich nicht anstecken zu lassen, um risikobehaftete Familienmitglieder zu schützen. Verbunden damit zeigt sich oft eine hohe Neigung zu Schuldgefühlen in sozialen Kontakten.
  • Psychisch bereits auffällige Schüler*innen. Sie neigen zu Internalisierungen, die v.a. zu Schulängsten, Schulphobien und depressiven Verstimmungen führen können.
  • Schüler*innen psychisch kranker Eltern. Die damit verbundene Belastung wirkt sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus und schwächt die Resilienz.
  • Schüler*innen mit Teilleistungsstörungen. Bei ihnen tritt das Bewusstsein für ihre Leistungsdefizite im Bereich des Erlernens der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen deutlicher zu Tage, was zu größerer Verunsicherung führen kann.
  • Schüler*innen mit sozialer Ausgrenzungserfahrung im schulischen Kontext. Nicht immer führt die Pandemie zu mehr Zusammenhalt, sondern begünstigt teilweise sogar die soziale Ausgrenzung von Schüler*innen; so mehren sich Klagen zumal über Cyber-Mobbing.
  • Schüler*innen mit irreführenden Zukunftsgedanken. Sie antizipieren oft Fragen wie Müssen wir die ausgefallenen Proben nachholen? Muss ich die Klasse nochmals machen, weil die Schulen so lange nicht geöffnet waren?, die derzeit noch nicht zu beantworten sind. Die Ungewissheit und mögliche Befürchtungen führen zu starker Verunsicherung.
  • Insgesamt: Introvertierte, sensible und vulnerable Schüler*innen sowie Schüler*innen aus belasteten sozialen Milieus (Armut, alleinerziehende Elternteile, belastende Migrationssituation, kein räumlicher Kontakt zu Großeltern oder Verwandten) sind in der Pandemie bzw. durch die Auswirkungen deutlich gefährdet.

Das Risiko für die genannten Schüler*innen ist groß, den Anschluss zu verlieren. Ihnen sollte besondere Aufmerksamkeit und schulpsychologische Unterstützung zuteilwerden.

am 09.03.2021 um 10:03 in Allgemein. Beitrag kommentieren

Die Schulen öffnen und die Gesundheit schützen

Pressemitteilung des LBSP

Bereits vor Ausbruch der Pandemie hatten verschiedene Studien, darunter der Bericht aus dem Jahr 2016 zur psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Bayern (Ministerium für Gesundheit und Pflege), auf eine Zunahme von Störungen des Erlebens und Verhaltens, v.a. im Grundschulbereich hingewiesen.

Presseinformationen, gestützt auf aktuelle Studien zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, stellen einen derzeit noch nicht mit Zahlen ausreichend belastbaren Trend zur Verschlimmerung der psychischen Gesundheit fest.

Die aktuelle COPSY-Studie des Uniklinikums Hamburg (zweite Befragung: Januar 2021) spricht davon, dass 80 Prozent der Stichprobe (1000 Schüler*innen von 7-17 Jahren und 1600 Eltern) durch die Pandemie psychisch belastet sind.

Als Leitsymptomatik wird in den Studien aufgeführt: Angst- und Schlafstörungen (u.a. Störungen des Tag- und Nachtrhythmus), depressive Entwicklungen, psychosomatische Schmerzzustände, Essstörungen, psychische und soziale Folgen von Mobbing, möglicherweise auch verstärkt durch erhöhten Gebrauch von sozialen Medien. Dazu bereitet das Gesundheitsverhalten Sorge: Bewegungsmangel und Fehlernährung wurden durch die psychosozialen Beschränkungen in der Folge der Pandemie verstärkt.

Zudem leiden viele Kinder unter dem Verlust der gewohnten Alltagsstruktur und unter der Einschränkung der entwicklungsnotwendigen Sozialkontakte. Betroffen sind ebenfalls die für das Lernen wichtigen exekutiven Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Motivation.

Notwendige Entwicklungen, wie die Selbstständigkeit, die Tatkraft, die Bedürfnisregulierung und der Gemeinsinn in der Grundschulzeit werden gebremst. Auch die Ausformung des Selbstbildes und der Ich-Identität sowie Ablösungsprozesse aus dem Elternhaus in der Adoleszenz werden verzögert. Introvertierte und sensible Kinder sowie Kinder aus belasteten sozialen Milieus (u.a. beengte Wohnverhältnisse, Armut, Verlust des Arbeitsplatzes eines Elternteils oder beider Eltern, alleinerziehende Elternteile, fehlende Unterstützung durch ein familiäres Netzwerk) sind besonders gefährdet. Der LBSP hat zehn Risikocluster identifiziert, siehe www.lbsp.de .

Um die Schulöffnungen zu ermöglichen und künftig aufrechterhalten zu können, bedarf es vor allem dreier Schwerpunktsetzungen unter dem Motto: „Mehr Psychologie in die Schulen“, siehe www.bdp-schulpsychologie.de .

  • indizierte Prävention: frühzeitiges Identifizieren und Betreuen von Risikogruppen
  • maximale Umsetzung des Arbeitsschutzes in jeder Schule
  • Coaching des Personals, insbesondere des Führungspersonals v.a. unter dem Aspekt des psychologischen „Gesundheitscoaching“

Indizierte Prävention

Die in den Clustern identifizierten Schüler*innen sind Hochrisikoschüler, die gezielt in den pädagogischen Fokus genommen und über schulisches Fachpersonal an niedrigschwellige Präventionsangebote angebunden werden müssen. Über individuelle psychologische Ansprachen, rechtzeitige differenzielle Diagnostik und Behandlung durch psychologische Trainingsprogramme und durch notwendige Kontaktanbahnung zu medizinischen und fachpsychotherapeutischen Diensten kann der Chronifizierung von Störungen vorgebeugt werden.

Maximal möglicher Arbeitsschutz

Alle Maßnahmen zur Sicherung des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz müssen sofort und nachhaltig umgesetzt werden, v.a. technische Ausrüstung wie CO2-Ampeln und Aerosolfilteranlagen, regelmäßige Reihentestungen für Schulpersonal und Schüler*innen sowie die Einstufung des gesamten Schulpersonals in die Gruppe „Hohe Priorität“ bei der Impfreihenfolge. Bei Reihentestungen an Schulen positiv getestete Schüler*innen sowie deren Lehrkräfte muss bei Bedarf ein klärendes schulpsychologisches Beratungsangebot unterbreitet werden.

Unterstützung des Personals, insbesondere des Führungspersonals durch Supervisions- und Coachingangebote

Lehrkräfte – insbesondere Führungskräfte – stehen unter erhöhter Dauerbeanspruchung, darauf haben mehrere Verbände eindringlich hingewiesen. Präventiv gilt es, den Stressfolgeerscheinungen vorzubeugen und diese abzufedern.

Die psychische und physische Gesundheit von Lehrkräften muss gestärkt werden. Schüler*innen brauchen gerade in Pandemiezeiten gefestigte, tatkräftige und motivierende Lehrerpersönlichkeiten.

Der LBSP fordert:

  • gezieltes Monitoring von Risikoschüler*innen in multidisziplinären Teams an Schulen, in denen das schulinterne Fachpersonal gebündelt wird und die Psychologie eine führende fachliche Expertise darstellt
  • im Hinblick auf den auch in der Postpandemiezeit noch zu erwartenden steigenden Beratungs-und Versorgungsbedarf: Ausbau der schulpsychologischen Tätigkeitsstunden zur Hälftigkeit der Arbeitsdeputate in allen Schularten
  • um die notwendige schulpsychologische Tätigkeit in Präsenz zeitnah wieder hochfahren zu können: Aufnahme aller Schulpsycholog*innen in die Gruppe „Hohe Priorisierung“ bei der Impfreihenfolge
  • Bereitstellung einer datenschutzkonformen digitalen Kommunikationsstruktur

 

 

 

 

 

 

 

verantwortlich im Sinne des Presserechts: Hans-Joachim Röthlein, 1. Vorsitzender LBSP

am 09.03.2021 um 10:03 in Gesundheit. Beitrag kommentieren

Die neue Psychologie für die Schule ist erschienen!

Die nunmehr vierte Ausgabe steht zum Download bereit: Schwerpunkt Digitalisierung. Viel Spaß beim Lesen!

 

am 31.10.2020 um 06:10 in Allgemein. Beitrag kommentieren

Bundeskongress für Schulpsychologie 100 JAHRE SCHULPSYCHOLOGIE – MEHR PSYCHOLOGIE IN DIE SCHULEN

Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher unserer Webseite, 

vom 20. bis 24. September findet der Bundeskongress Schulpsychologie statt:

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

https://www.bdp-schulpsychologie.de/aktuell/buko/2021/

https://www.bdp-schulpsychologie.de/aktuell/buko/2021/

am 01.08.2021 um 05:08 in Allgemein. Beitrag kommentieren

SARS-CoV-2: Wie kann die Psychologie den Menschen helfen?

Reflexionen zur Bewältigung von Angst

Verfasser: Knape, Regina/ Röthlein, Hans-J. im Juli 2020

  1. Vorüberlegungen und Beobachtungen

Angst ist der Motor für die Entwicklung der Menschheit. Sie warnt vor Gefahren, sie vermag den Menschen zu schützen und gleichzeitig durch die Konfrontation mit ihr den Menschen zu beflügeln. Ohne Angst und die Versuche, diese zu überwinden, hätte sich die Menschheit wohl nicht entwickeln können.

Im Mittelpunkt  der Überlegungen steht die Zielsetzung, einige zentrale, für die Bewältigung von Angst förderliche Haltungen zu benennen und zu stärken und damit das Bewusstsein von der eigenen Selbstwirksamkeit in verschiedenen Lebensfeldern und Rollen zu erhöhen. Intentionen, denen sich auch die Psychologie in der Schule verpflichtet sieht.

Die Formulierung der folgenden Gedanken wurde ausgelöst durch die SARS-CoV-2 -Entwicklungen. Sie nehmen zwar auch Bezug auf diese pandemische Erscheinung, sind jedoch aus deren Kontext herauslösbar und übertragbar auf andere Ereignisse, die die vorhandenen Bewältigungsmechanismen des Menschen zumindest aktuell übersteigen.

Das unheimliche Unbehagen

Die Entwicklung der SARS-CoV-2 Pandemie löst bislang bei der Mehrheit der Bevölkerung eine tief verwurzelte Urbefindlichkeit aus: ein sorgenvolles bis unheimliches existentielles Unbehagen. Diese tiefe Verunsicherung weist einen anderen Charakter und eine andere Erlebensqualität auf als die in der überschaubaren jüngeren Vergangenheit erlebten Katastrophen und Krisen: Die SARS-CoV-2 Pandemie ist keine Naturkatastrophe, keine von Menschenhand bewirkte Gewalttat, kein Schicksalsschlag und kein belastendes Life-Event.

Der Unheilbringer ist die Natur in Form eines mit den Sinnen nicht wahrnehmbaren Virus, welches in einer dimensionalen Ausprägung von unbemerkt/harmlos bis hoch aggressiv/tödlich auftreten kann. Die bisherige Unbeherrschbarkeit von SARS-CoV-2 kann die hybride Haltung des Menschen gegenüber der Natur in Frage stellen und desillusionieren. Bezüglich der Beeinträchtigung des menschlichen Organismus durch das Virus ist trotz weltweiter Forschungsbemühungen immer noch zu wenig bekannt, individuelle Risiko- und Schutzfaktoren bedürfen einer weiteren wissenschaftlichen Klärung.

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am 01.08.2020 um 11:08 in Allgemein. Beitrag kommentieren

Freie Kommunikation für Kinder und Jugendliche

Das von der Autorin Anfang Juni 2020 verfasste Plädoyer für eine uneingeschränkte Kommunikation in der Schule bilanzierte den seit 16.03.2020 geltenden Lockdown für Schulen. Die darin erhobenen Bedenken und kommunikationstheoretisch abgeleiteten Forderungen wurden auch von verschiedenen gesellschaftlichen und berufspolitischen Initiativen formuliert und führten zu für den Schulbetrieb notwendigen Lockerungen. Der Präsenzunterricht wird nach der schrittweisen Wiederöffnung des normalen Schulbetriebs nach den Pfingstferien ohne Masken durchgeführt, für das übrige Schulleben gilt ein Maskengebot. Zum Beginn des Schuljahres 2020/2021 im September soll das Abstands- und Maskengebot in den Schulen gänzlich fallen, ein positives Infektionsgeschehen vorausgesetzt.

Die grundlegenden Gedanken des Plädoyers werden im Herbst dieses Jahres dann wieder Eingang in die bildungspolitischen Diskussionen finden, wenn die inzwischen angelaufene zweite Welle der SarsCoV2 Epidemie wieder zu lokalen oder regionalen Schulschließungen führen sollte.

Anmerkung Hans-J. Röthlein

Freie Kommunikation für Kinder und Jugendliche

Ein Plädoyer für uneingeschränkte Kontakte in der Schule

Schulbesuch ist nach vielen Wochen Abstinenz wieder möglich und wird von allen Beteiligten begrüßt. Allerdings sind die Schulen mit zahlreichen Auflagen belastet, die nicht immer zielführend sind, menschliche Bedürfnisse einschränken und auch an die Grenzen der Praktikabilität stoßen. Zum Wohle unserer Kinder und Jugendlichenplädiere ich aus schulpsychologischer Sicht für uneingeschränkte Kontakte in der Schule, v. a. für die Vermeidung von Abstandsregeln Maskierung und Separierung.

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am 01.08.2020 um 11:08 in Allgemein. Beitrag kommentieren

Impulse für das Lernen auf Distanz

Eine sehr gute Zusammenstellung von Überlegungen zu einem relevanten Thema:

https://www.schulministerium.nrw.de/docs/Recht/Schulgesundheitsrecht/Infektionsschutz/300-Coronavirus/Coronavirus_Impulse_Distanzlernen/index.html

Erziehungsratgeber und Ihre Nachwirkungen

Ein interessanter Artikel der mögliche Auswirkungen einer auf Bindungs- und Kontaktarmut basierenden Erziehung auf die Gesellschaft aufzeigt und Spuren bis in die Zeit des Nationalsozialismus verfolgt:

www.zeit.de/wissen/geschichte/2018-07/ns-geschichte-mutter-kind-beziehung-kindererziehung-nazizeit-adolf-hitler

am 25.01.2020 um 07:01 in Gesellschaft. Beitrag kommentieren