Mitte Februar lud der LBSP seine Mitglieder zu einem Hearing. Der Vorstand und das Röff wollten von den Mitgliedern wissen, ob und wie in einem ‚Multiprofessionellen Team‘ (MPT) an den Schulen vor Ort gearbeitet wird. Auch die Frage nach den Schnittstellen und die Meinungen der Mitglieder zu den MPTs waren von Interesse.
Leider kamen zu dem Hearing nur wenige Mitglieder und auch nur ein schriftlicher Beitrag erreichte den Verband.
Fast alle anwesenden Mitglieder berichteten, bereits in mindestens einem MPT mitzuarbeiten.
Im Folgenden werden die wesentlichen Aspekte nach Schularten aufgegliedert dargestellt.
Berufliche Schulen:
An den meisten beruflichen Schulen gibt es MPTs. Zumeist arbeiten die MPTs unter dem Begriff ‚Inklusion‘ zusammen. Die Teams sind in der Regel aus folgenden Professionen zusammengesetzt:
- Schulpsychologe, Schulleitung, Beratungslehrkraft, Inklusionsbeauftragter, Sonderpädagoge, JaSler
Allerdings kann sich die Teamzusammensetzung an jeder Schule etwas unterscheiden. Zu beobachten ist, dass die Zusammenarbeit in den Teams, die von der Schulleitung geführt werden, sehr strukturiert funktioniert. Fachlich führt der jeweilige Schulpsychologe die Teams. Laut dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus sollen nun sukzessive auch die Sozialpädagogen externer Träger mit in die MPTs. In den meisten beruflichen Schulen steht es nicht zur Debatte, ob es ein MPT gibt, auch weil das Schulprofil Inklusion nur vergeben wird, wenn die jeweilige Schule auch ein MPT vorweisen kann.
In der Zusammenarbeit bewährt haben sich ein klarer Auftrag zur Arbeit durch die Schulleitung oder die Teilnahme der Schulleitung an Teamsitzungen, eine klare Zuteilung der fachlichen Koordination an die Schulpsychologie und Teamstunden.
Hemmend in der Zusammenarbeit ist die ungleiche Besoldung von insbesondere den beruflichen Beratungslehrkräften und -Schulpsychologen. Während die Beratungslehrkräfte recht schnell ad ihrer Profession in A15 eingruppiert werden, gibt es nur sehr wenige Schulpsychologen, die im beruflichen Bereich nach A15 besoldet werden. Diese Diskrepanz hemmt die Zusammenarbeit, da der Schulpsychologe fachlich führen soll, aber besoldungstechnisch unter der Beratungslehrkraft ist. Somit stellt sich die Frage, wer das MPT führen soll. Die fachlich beste Expertise hat die Schulpsychologie, allerdings sind die Beratungslehrer höher besoldet. Auch die Sonderpädagogen haben im Bereich der beruflichen Schulen inzwischen eine Funktionsstelle. Bei den Schulpsychologen gibt es prinzipiell auch eine Funktionsstelle, allerdings wird diese nur sehr selten vergeben. Auch forcieren verschiedene Referate des Staatsministeriums die MPTs, allerdings gibt es noch Potentiale zur Vernetzung der Referate untereinander.
Weitere wichtige Vernetzungspartner der MPTs sind Regierungen, die Agentur für Arbeit und psychosomatische Kliniken. Auch hier ist die schulpsychologische Expertise besonders wichtig, um Schnittstellen richtig beurteilen zu können.
Grund- und Mittelschulen:
Je nach Bezirk und Schule ist es unterschiedlich, ob es MPTs gibt oder nicht. Wenn es MPTs gibt, bestehen diese meist aus folgenden Professionen:
- Schulpsychologe, Schulleitung, Beratungslehrkraft, Inklusionsbeauftragter, Sonderpädagoge, JaSler, Schulsozialpädagoge
Teilweise wird per Videokonferenz zusammengearbeitet, in anderen Teams trifft man sich in persona. Auch die Regelmäßigkeit von Zusammenkünften variiert je nach Schule sehr stark und reicht von zweimal jährlich, bis zu monatlichen Treffen oder erfolgt bedarfsorientiert.
Nicht trennscharf genug werden die Begrifflichkeiten verwendet. So wird unter den Begriffen ‚Systemischer MSD‘, ‚Inklusives Beratungsteam‘ und ‚Multiprofessionelles Team‘ häufig das gleiche verstanden. Ursprünglich sind das sich voneinander differenzierte Teams. In der Praxis geschieht es allerdings häufig, dass es einfach ein Team an der Schule gibt, das aus den immer gleichen Köpfen besteht und zu allen möglichen Fällen berät. Hier gibt es noch viel Optimierungspotential und die Begriffe müssten von der Administration trennschärfer definiert werden, damit die Teams zielgerichteter aktiviert werden können.
Positiv an der Arbeit im MPT ist, dass sich die für die Schule zuständigen, beratenden Professionen kennenlernen und vernetzen. Dies ist an Schulen ohne MPTs anders. Dadurch kann an Schulen mit MPT zielgerichteter beraten werden. Wichtig für die Arbeit im MPT ist auch, dass die Schulleitung einen klaren Auftrag an das Team gibt, sich zusammenzusetzen.
Als hemmend werden häufige Personalwechsel aufgeführt, da sich die Teams dann immer wieder neu finden müssen. Im Grund- und Mittelschulbereich ist es zudem schwieriger für die Schulpsychologen in jedem Team präsent zu sein, da man häufig für mehrere Schulen zuständig ist. Um dieses Problem zu entschärfen, hat sich in manchen Bezirken eine Koordinationsgruppe am Schulamt, bestehend aus Beratungsrektor für Schulpsychologie, Kooperationsschulrat und Schulleitung des SFZ bewährt, die Grobstrukturen zur Arbeit vor Ort ausarbeitet- und so die Etablierung von und Arbeit im MPT vorgibt und so die Teams auf übergeordneter Ebene koordiniert. Der Beratungsrektor Schulpsychologie übernimmt die fachliche Koordination der Teams. Die Schulleitung des SFZ ist nur in dieser ‚Steuergruppe‘, wenn es um inklusive-MPTs geht. In manchen Bezirken gibt es auch eine Art ‚Task-Force‘, die eskalierende Fälle bespricht und dann zielgerichtet u. a. MPTs vor Ort aktiviert. Diese ‚Task-Force‘ besteht meist aus Beratungsrektor für Schulpsychologie, Schulrat und Jugendamt.
Wichtige externe Schnittstellen sind, wie bei den beruflichen Schulen, die psychosomatischen Kliniken.
Potentiale bei den MPTs gibt es auch auf Seiten der Administration. So arbeitet jede Abteilung im Staatsministerium eher autark. Auch hier wäre eine stärkere Vernetzung sinnvoll. Die Schulpsychologen sollten z. B. von der Administration den Auftrag bekommen, die MPTs zu koordinieren, damit es vor Ort Klarheit gibt. Auch sollten die verschiedenen Begrifflichkeiten vom Staatsministerium oder den Regierungen trennscharf formuliert werden, damit man zielgerichtet Teams aktivieren bzw. etablieren kann. Kritsch beäugt wird der ‚Systemische MSD‘. Er bietet viele Chancen, allerdings dürfe sich nicht herausstellen, dass durch diesen systemischen Ansatz Ressourcen verringert werden sollen. Auch die unterschiedlichen Schweigepflichten stellen teilweise ein Hemmnis für die Zusammenarbeit dar.
Der Vorstand leitet folgende Punkte aus dem Hearing zur Weitergabe an das Staatsministerium für Unterricht und Kultus ab:
- Begriffe ‚Systemischer MSD‘, ‚Inklusives Beratungsteam‘ und ‚Multiprofessionelles Team‘ trennscharf definieren.
- Abfrage über Funktionsstellenvergabe im Bereich Schulpsychologie an den beruflichen Schulen.
- Impuls zur Vernetzung der verschiedenen Referate des Staatsministeriums in Hinblick auf die MPTs.
- Definieren eines klaren Koordinationsauftrag an die Schulpsychologie von Seiten der Administration.
Information: Jan-Patrick Weingärtner